Umstellungsosteotomie am Knie
O-Bein oder X-Bein führen zu einseitiger Überlastung des Kniegelenks. Eine Osteotomie kann das Gelenk erhalten, wenn eine Prothese noch zu früh ist.
Eine Umstellungsosteotomie am Knie korrigiert O-Bein oder X-Bein durch gezielte Knochenumstellung, um die Belastung vom geschädigten Gelenkanteil zu verlagern. Bei korrekter Patientenauswahl kann die Notwendigkeit einer Prothese oft über Jahre hinauszögern. Langzeitergebnisse hängen stark von Patientenauswahl, Korrekturgenauigkeit, Knorpelstatus und Rehabilitation ab.
Was ist eine Umstellungsosteotomie?
Bei einer Osteotomie wird das Schienbein (HTO) oder der Oberschenkelknochen (DFO) gezielt durchtrennt und neu ausgerichtet. Dadurch wird die Belastung vom geschädigten Gelenkanteil auf die gesunde Seite verlagert. Ziel ist es, die Lebensdauer des eigenen Gelenks zu verlängern.
HTO — Hoch-Tibia-Osteotomie
Bei O-Bein (Varus) wird am oberen Schienbein ein Keil entnommen oder ein Keil eingesetzt, um die Achse in Richtung Valgus zu korrigieren.
- Medialer Gelenkverschleiß (Innenknorpel)
- Öffnungs- oder Schließkeilosteotomie
- Stabile Fixierung mit Platte und Schrauben
DFO — Distale Femur-Osteotomie
Bei X-Bein (Valgus) wird am unteren Oberschenkelknochen korrigiert, um die Belastung auf den lateralen Gelenkanteil zu reduzieren.
- Lateraler Gelenkverschleiß (Außenknorpel)
- Schließkeilosteotomie (medialer Zugang)
- Seltenere Indikation als HTO
Wann ist Osteotomie besser als Prothese?
Ideal für Osteotomie
- Aktive Patienten mit guter Knochenqualität und einseitigem Gelenkverschleiß
- Aktive Patienten (Sport, körperliche Arbeit)
- Arthrose nur in einem Kompartiment
- Korrektur in einem moderaten Bereich (extreme Korrekturen sind mit erhöhtem Risiko verbunden)
- Guter Knorpelstatus im Zielkompartiment
- Stabile Kreuz- und Seitenbänder
- Kein schweres Patellofemorales Leiden
Prothese vorziehen
- Ältere Patienten oder Patienten mit fortgeschrittener Mehrkompartment-Arthrose
- Dreikompartiment-Arthrose
- Schwere Patellofemorale Arthrose
- Instabilität der Kreuz- oder Seitenbänder
- Sehr große Korrekturen (das Risiko von Komplikationen und eingeschränkter Erfolgsrate steigt)
- Inflammatorische Arthritis
Osteotomie, UKA oder totale Knieprothese — wie wird entschieden?
Die Wahl zwischen gelenkerhaltender Osteotomie, partieller Knieprothese (UKA) und totaler Knieprothese (TKA) hängt von mehreren Faktoren ab, die im persönlichen Gespräch und anhand bildgebender Verfahren abgewogen werden.
Osteotomie
Wann: Junge, aktive Patienten mit Achsfehlstellung und einseitigem Verschleiß
Ziel: Gelenk erhalten, Prothese hinauszögern
UKA
Wann: Patienten über 50 mit einseitiger Arthrose, intakten Kreuzbändern
Ziel: Nur geschädigtes Kompartiment ersetzen, natürliche Kinematik erhalten
TKA
Wann: Fortgeschrittene Arthrose in mehreren Kompartimenten, ältere Patienten
Ziel: Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung
Die Entscheidung erfordert eine Langzeitbeinaufnahme im Stehen, MRT-Diagnostik und eine sorgfältige klinische Untersuchung. Bei Unsicherheit biete ich eine unabhängige Zweitmeinung an.
Diagnostik
Langzeitbeinaufnahme
Stehende Röntgenaufnahme des gesamten Beins zur exakten Achsmessung (Hüft-Knie-Sprunggelenk-Winkel (HKA-Winkel)).
MRT
Darstellung des Knorpelstatus, Menisken, Bänder und subchondraler Knochen.
Klinische Untersuchung
Stabilitätstests, Bewegungsausmaß, Schmerzlokalisation, Muskelstatus.
Rehabilitation nach Osteotomie
0–6 Wochen
Teilbelastung (15–30 kg), Orthese, passives Beugen, Muskelaktivierung. Die Belastung und Übungsintensität werden individuell an den Heilungsverlauf angepasst.
6–12 Wochen
Progressive Belastung, Vollbelastung bei Knochenheilung, Fahrrad, Kraftaufbau
3–6 Monate
Lauftraining, leichtes Joggen, Sport ohne Kontakt
6–12 Monate
Die Rückkehr zu Kontakt- und Richtungswechselsport erfolgt nach radiologischer Knochenheilung, Kraft, Beweglichkeit, Schmerzfreiheit und sportartspezifischer Belastbarkeit
Hinweis: Die Knochenheilung dauert 8–12 Wochen. Eine vorzeitige Vollbelastung kann zur Verschiebung oder Pseudarthrose führen.
Risiken und realistische Erwartungen
Mögliche Komplikationen
- Verzögerte Knochenheilung oder Pseudarthrose (Risiko hängt von Knochenqualität, Raucherstatus, Korrekturgrad und Rehabilitation ab)
- Nervenverletzung (bei HTO liegt der N. peronaeus im äußeren Bereich; das Risiko hängt von Sägeschnittwinkel, Weichteilschutz und individueller Anatomie ab)
- Infektion (Risiko wie bei anderen Knieoperationen, abhängig von Wundheilung und Komorbiditäten)
- Unter- oder Überkorrektur
- Progression der Arthrose im langfristigen Verlauf
Erfolgsraten
Bei korrekter Patientenselektion und präziser Operation kann die Notwendigkeit einer Prothese oft über Jahre hinauszögern. Langzeitergebnisse hängen stark von Patientenauswahl, Korrekturgenauigkeit, Knorpelstatus und Rehabilitation ab. Eine Osteotomie ist ein gelenkerhaltendes Verfahren, kann das Fortschreiten der Arthrose aber nicht in jedem Fall dauerhaft verhindern.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange hält eine Osteotomie am Knie?
Bei korrekter Patientenauswahl und präziser Operation kann die Notwendigkeit einer Prothese oft über Jahre hinauszögern. Langzeitergebnisse hängen stark von Patientenauswahl, Korrekturgenauigkeit, Knorpelstatus und Rehabilitation ab. Eine Osteotomie ist ein gelenkerhaltendes Verfahren, kann das Fortschreiten der Arthrose aber nicht in jedem Fall dauerhaft verhindern.
Wann ist eine Osteotomie sinnvoller als eine Prothese?
Bei aktiven Patienten mit einseitigem Gelenkverschleiß, erhaltener Gelenkbeweglichkeit und ausreichender Knochenqualität. Wenn die Arthrose nur ein Kompartiment betrifft und die Kreuzbänder stabil sind, kann eine Osteotomie das eigene Gelenk erhalten.
Was ist der Unterschied zwischen HTO und DFO?
HTO (Hoch-Tibia-Osteotomie) korrigiert O-Bein (Varus) am oberen Schienbein. DFO (Distale Femur-Osteotomie) korrigiert X-Bein (Valgus) am unteren Oberschenkelknochen. HTO ist deutlich häufiger, da mediale Arthrose öfter vorkommt.
Wie lange dauert die Rehabilitation nach Osteotomie?
Die Knochenheilung dauert 8–12 Wochen. In dieser Zeit ist nur Teilbelastung erlaubt. Nach 3–6 Monaten ist meist Lauftraining möglich. Die Rückkehr zu Kontakt- und Richtungswechselsport erfolgt nach radiologischer Knochenheilung, Kraft, Beweglichkeit, Schmerzfreiheit und sportartspezifischer Belastbarkeit.
Welche Risiken hat eine Osteotomie?
Die wichtigsten Risiken sind verzögerte Knochenheilung oder Pseudarthrose, Nervenverletzungen, Infektion (Risiko wie bei anderen Knieoperationen, abhängig von Wundheilung und Komorbiditäten) sowie Unter- oder Überkorrektur. Eine vorzeitige Vollbelastung kann die Heilung gefährden.
Kann ich nach einer Osteotomie wieder Sport treiben?
Ja, nach vollständiger Knochenheilung sind moderate Sportarten wie Radfahren, Schwimmen und Laufen möglich. Die Rückkehr zu Kontakt- und Richtungswechselsport erfolgt nach radiologischer Knochenheilung, Kraft, Beweglichkeit, Schmerzfreiheit und sportartspezifischer Belastbarkeit.
Was passiert, wenn die Osteotomie nicht mehr hilft?
Wenn die Arthrose im Laufe der Jahre fortschreitet, kann später eine totale oder partielle Knieprothese implantiert werden. Die vorherige Osteotomie macht eine spätere Prothese in der Regel nicht unmöglich, kann aber die Operationstechnik leicht erschweren.
Wie lange dauert der operative Eingriff?
Die Operation dauert in der Regel 60–90 Minuten. Sie wird in Allgemeinnarkose oder Spinalanästhesie durchgeführt. Der Krankenhausaufenthalt beträgt meist 2–3 Tage.
Medizinisch erstellt und geprüft von Robin Van den Broecke, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Zuletzt aktualisiert: 7. Juni 2026
Kurz zusammengefasst
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Adresse:Eifelklinik St. Brigida GmbH & Co. KG, Zentrum für Orthopädische Chirurgie, Kammerbruchstraße 8, 52152 Simmerath
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