Patellaluxation & MPFL-Rekonstruktion
Die Kniescheibe springt raus? Wiederholte Patella-Luxationen erfordern eine genaue Analyse der anatomischen Ursachen und eine Therapie.
Patellaluxation ist das Herausspringen der Kniescheibe aus ihrer Führungsrinne, meist nach außen. Wiederholte Luxationen erfordern eine strukturierte Abklärung der anatomischen Ursachen. Die MPFL-Rekonstruktion ist bei vielen Patienten mit rezidivierender Instabilität das bevorzugte Verfahren; die Indikation hängt jedoch von Patella alta, Trochleadysplasie, Rotationsprofil, Valgus, Knorpelstatus und Rezidivrisiko ab. Bei geeigneter Indikation berichten Studien über gute Stabilisierungsergebnisse, die persönliche Prognose hängt jedoch von Anatomie, Knorpelstatus, Begleitkorrekturen und Rehabilitation ab.
Was ist Patella-Instabilität?
Die Kniescheibe (Patella) gleitet in einer Rinne am Oberschenkelknochen (Trochlea). Bei Patella-Instabilität springt sie aus dieser Rinne heraus — meist nach außen (lateral). Dies kann einmalig (traumatisch) oder wiederholt (rezidivierend) auftreten.
Anatomische Ursachen
MPFL-Ruptur
Das Mediale Patellofemorale Ligament ist der wichtigste Stabilisator. Nach erster Luxation oft gerissen.
Trochlea-Dysplasie
Eine zu flache oder abweichende Kniescheibenrinne erhöht das Luxationsrisiko erheblich.
Patella alta
Eine zu hohe Kniescheibe hat weniger Führung in der Trochlea.
Valgus-Fehlstellung
X-Bein-Stellung oder erhöhter Q-Winkel ziehen die Patella nach außen.
Tuberositas-Tibia-Position
Eine zu weit lateral stehende Schienbeinhöckerung (TT-TG-Distanz). Die Indikation für eine Korrekturosteotomie hängt nicht nur von der TT-TG-Distanz ab, sondern auch von Patella alta, Trochleadysplasie, Rotationsprofil und dem Gesamtbefund.
Generalisierte Hyperlaxität
Von Natur aus weiche Bänder und Gelenke.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Erste Luxation
Bei erster Patella-Luxation wird zunächst konservativ behandelt (Ruhigstellung, Physiotherapie). Bei Knorpelschaden, losem Fragment oder hohem Rezidivrisiko kann eine primäre MPFL-Naht erwogen werden.
Rezidivierende Luxation
Bei vielen Patienten mit wiederholten Luxationen ist die MPFL-Rekonstruktion die bevorzugte operative Option; zusätzliche knöcherne Korrekturen werden je nach anatomischer Ursache geprüft.
Operative Optionen
MPFL-Rekonstruktion
Ersatz des gerissenen Bandes durch ein eigenes Sehnentransplantat (Gracilis oder Semitendinosus). Bei vielen Patienten mit rezidivierender Instabilität die bevorzugte operative Option; die Indikation hängt jedoch von Patella alta, Trochleadysplasie, Rotationsprofil, Valgus, Knorpelstatus und Rezidivrisiko ab. Bei geeigneter Indikation berichten Studien über gute Stabilisierungsergebnisse, die persönliche Prognose hängt jedoch von Anatomie, Knorpelstatus, Begleitkorrekturen und Rehabilitation ab.
Tuberositas-Tibia-Osteotomie (TTO)
Verschiebung des Schienbeinhöckerns nach medial, um die Zugkraft auf die Patella zu korrigieren. Die Indikation hängt nicht nur von der TT-TG-Distanz ab, sondern auch von Patella alta, Trochleadysplasie, Rotationsprofil, Valgus und dem Gesamtbefund.
Trochleaplastik
Formung einer zu flachen Trochlea durch Knochenumformung. Nur bei ausgeprägter Trochlea-Dysplasie und erfahrenem Chirurgen.
Fulkerson-Osteotomie
Antero-mediale Verschiebung der Tuberositas tibiae. Kombiniert mediale Verlagerung mit anteriorer Absenkung.
Häufige Fragen zur Patellaluxation
Warum springt meine Kniescheibe immer wieder raus?
Wiederholte Luxationen entstehen meist durch eine Kombination aus MPFL-Ruptur und anatomischen Risikofaktoren wie Trochlea-Dysplasie, Patella alta oder erhöhter TT-TG-Distanz. Eine strukturierte Abklärung ist notwendig.
Was ist das MPFL und warum wird es rekonstruiert?
Das Mediale Patellofemorale Ligament (MPFL) ist das wichtigste Band zur Stabilisierung der Kniescheibe gegen seitliches Herausspringen. Nach einer ersten Luxation ist es oft gerissen. Bei rezidivierender Instabilität wird es durch ein Sehnentransplantat ersetzt.
Wie lange dauert die Rehabilitation nach MPFL-Rekonstruktion?
Teilbelastung und Orthese in den ersten zwei Wochen, Vollbelastung nach vier Wochen. Radfahren und Aqua-Jogging ab vier bis sechs Wochen. Sportarten mit Richtungswechsel sollten erst nach Kraft-, Beweglichkeits- und Beschwerdekontrolle freigegeben werden. Dies kann frühestens nach drei bis sechs Monaten der Fall sein.
Kann ich nach einer MPFL-OP wieder Sport treiben?
Ja. Viele Patienten kehren nach erfolgreicher Rehabilitation in ihren Sport zurück. Die Rückkehr in Kontaktsport ist in der Regel nach sechs bis zwölf Monaten möglich, abhängig von Kraft, Stabilität und individuellem Heilungsverlauf.
Was ist eine Trochlea-Dysplasie?
Die Trochlea ist die Führungsrinne für die Kniescheibe am Oberschenkelknochen. Bei einer Dysplasie ist diese Rinne zu flach oder abweichend geformt, was das Luxationsrisiko deutlich erhöht. In ausgeprägten Fällen kann eine Trochleaplastik notwendig sein.
Wann ist eine Operation bei erster Patellaluxation sinnvoll?
Bei erster Luxation wird zunächst konservativ behandelt. Eine primäre OP wird nur bei begleitendem Knorpelschaden, abgelöstem Knochenfragment oder hohem Rezidivrisiko erwogen. Bei vielen Patienten mit wiederholten Luxationen ist die MPFL-Rekonstruktion die bevorzugte operative Option; zusätzliche knöcherne Korrekturen werden je nach anatomischer Ursache geprüft.
Was ist die TT-TG-Distanz und warum ist sie wichtig?
Die Tuberositas-Tibia-Trochlea-Groove-Distanz (TT-TG) misst die Position des Schienbeinhöckerns relativ zur Trochlea. Werte über 20 mm deuten auf eine zu weit lateral stehende Tuberositas tibiae hin, was die Patella nach außen zieht. Eine TTO wird nicht allein anhand der TT-TG-Distanz entschieden. Patella alta, Trochleadysplasie, Rotationsprofil, Valgus, Knorpelstatus, Beschwerden und Rezidivrisiko müssen mitbeurteilt werden.
Was ist der Unterschied zwischen MPFL-Naht und MPFL-Rekonstruktion?
Bei der Naht wird das gerissene MPFL wieder zusammengenäht. Dies ist bei frischen Rissen ohne deutliche Dehnung möglich. Bei chronischen oder stark gedehnten Rissen ist eine Rekonstruktion mit Sehnentransplantat notwendig, da das eigene Gewebe nicht mehr ausreicht.
Patella-Probleme?
Wiederholte Luxationen oder chronische Instabilität sollten abgeklärt werden.
Termin vereinbarenRehabilitation nach Patella-OP
0–2 Wochen
Orthese, Teilbelastung, Mobilisation passiv bis 90°, Muskelaktivierung
2–4 Wochen
Vollbelastung, aktives Beugen bis 120°, Kraftaufbau Quadrizeps
4–6 Wochen
Radfahren, Aqua-Jogging, leichtes Laufen
6–12 Wochen
Lauftraining, Agilität, Sprungübungen
3–6 Monate
Sportarten mit Richtungswechsel erst nach individueller Freigabe bei ausreichender Kraft und Stabilität
6–12 Monate
Rückkehr in Kontaktsport nach individueller Freigabe
Medizinisch erstellt und geprüft von Robin Van den Broecke, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Zuletzt aktualisiert: 7. Juni 2026
Kurz zusammengefasst
Termin vereinbaren: +49 2473 89-6666 oder online buchen
Adresse:Eifelklinik St. Brigida GmbH & Co. KG, Zentrum für Orthopädische Chirurgie, Kammerbruchstraße 8, 52152 Simmerath
Parken: Patientenparkplätze direkt vor der Klinik verfügbar.
Welche Unterlagen sollten Sie mitbringen?
Termin in der Knie-Sprechstunde vereinbaren
Telefon: +49 2473 89-6666 | E-Mail: ZOCSimmerath@artemed.de
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